Tuesday , November 19 2019
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Wirtschaftsweise — ganz neue Töne

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Wirtschaftsweise — ganz neue Töne Am Mittwoch hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sein Jahresgutachten vorgestellt … In diesem Gutachten nun wird das vielleicht wichtigste angebotspolitische Symbol einer kritischen Betrachtung unterzogen: die Schuldenbremse. Eine Mehrheit der Ratsmitglieder verteidigt sie zwar noch, aber diese Mehrheit ist stark geschrumpft. Von den fünf Räten sprechen sich nur drei für die derzeitige Regelung aus, zwei sprechen sich für eine “Reform” aus, damit der Staat mehr investieren kann … Interessant ist auch, dass die sogenannte schwarze Null sogar von allen Ratsmitgliedern kritisiert wird. Zur Erinnerung: Die Schuldenbremse erlaubt in Krisenzeiten noch Kredite, die schwarze Null

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Wirtschaftsweise — ganz neue Töne

Am Mittwoch hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sein Jahresgutachten vorgestellt …

In diesem Gutachten nun wird das vielleicht wichtigste angebotspolitische Symbol einer kritischen Betrachtung unterzogen: die Schuldenbremse. Eine Mehrheit der Ratsmitglieder verteidigt sie zwar noch, aber diese Mehrheit ist stark geschrumpft. Von den fünf Räten sprechen sich nur drei für die derzeitige Regelung aus, zwei sprechen sich für eine “Reform” aus, damit der Staat mehr investieren kann …

Wirtschaftsweise — ganz neue Töne

Interessant ist auch, dass die sogenannte schwarze Null sogar von allen Ratsmitgliedern kritisiert wird. Zur Erinnerung: Die Schuldenbremse erlaubt in Krisenzeiten noch Kredite, die schwarze Null hingegen fordert einen allseits ausgeglichenen Staatshaushalt. Das aber könne nach Meinung der Räte eine “problematische Prozyklizität” zur Folge haben, also dazu führen, dass der Staat einer Krise hinterherspart und sie damit noch verschlimmert. Das hat man so von den Wirtschaftsweisen noch nicht gehört …

Der neue Ton der Wirtschaftsweisen ist Teil einer Öffnung des wirtschaftspolitischen Diskurses in Deutschland. An den Universitäten, in den Forschungsinstituten und in den Ministerien sind heute mehr und mehr junge Ökonomen mit internationaler Erfahrung zu finden, die sich von ordnungspolitischen Glaubenssätzen nicht beeindrucken lassen. Sie wollen es genauer wissen …

Weil die Ökonomie eine Sozialwissenschaft ist, können sie die Forschungsergebnisse beeinflussen. Aber wer heute eine wirtschaftspolitische Empfehlung abgibt, ist stärker als früher in der Pflicht, diese wissenschaftlich zu begründen und damit ihre Prämissen nachvollziehbar zu machen. Es kann nicht mehr jeder einfach irgendetwas behaupten. Das sorgt für eine gewisse Rationalität im öffentlichen Diskurs – und genau dafür ist die Wissenschaft da.

Mark Schieritz / Die Zeit

Lars Pålsson Syll
Professor at Malmö University. Primary research interest - the philosophy, history and methodology of economics.

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